Esmzeitung vom 23.4. 2018

Quatier St. Josef gewinnt erste Konturen
Kirchengemeinde stellt Ideenskitzze zur städtebaulichen Entwicklung vor

Papenburg. „Im Grundsatz besteht einheitliche Zustimmung zu den Überlegungen“, fasste Elisabeth Burfeind, die als stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende (PGR) die Versammlung moderierte, den Diskussionsverlauf zusammen. Vorbehaltlich der Entscheidungen in Kirchenvorstand und PGR könne der Weg der Quartierentwicklung auf Basis der Ideenskizze weiter beschritten werden.

Ähnlich äußerte sich Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer. Er verwies darauf, dass die Quartierentwicklung ein Prozess sei, in den stets auch die Mitglieder der Kirchengemeinde eingebunden seien. Nach einer ersten Versammlung im Februar 2017 mit allgemeinen Erwägungen werde nun „die Idee eines Planes“ vorgestellt. „Wir wollen hören, wie die Resonanz ist und welche Fragen und Anregungen es seitens der Gemeindemitglieder gibt“, sagte Lanvermeyer. Der nächste Schritt sei die Erstellung eines detaillierteren Konzepts. Auch dieser Entwurf werde in einer Gemeindeversammlung zur Diskussion gestellt.

Das Ensemble zur Quartierentwicklung bilden Planungen des St.-Lukas-Heimes zur Errichtung eines Gebäudes für die Wohnassistenz, das Vorhaben des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SKFM) zur Unterbringung des Sozialen Kaufhauses im „Haus Regenbogen“, der Neubau einer inklusiven Kindertagesstätte sowie die Schaffung eines Tiergartens. Einzelheiten des städtebaulichen Entwurfs erläuterte Architekt Gerd Janssen aus Westoverledingen. Dessen Büro hatte in Projektgemeinschaft mit den Städteplanern Ahrens und Pörtner aus Hilter bei Osnabrück die Skizze zum künftigen Gesicht des Quartiers St. Josef entworfen.

Die von den Planern entwickelte Studie stelle einen Ansatz dar, das Zusammenspiel der verschiedenen Initiativen auf ein gemeinsames Fundament zu stellen, sagte Architekt Gerd Janssen. Ein besonderes Element bilde die Gestaltung eines öffentlichen Begegnungsraumes mit „Platzcharakter“ vor der St.-Josef-Kirche. Außen vor bleiben nach dem vorliegenden Entwurf Veränderungen an dem Gotteshaus selbst. Im Zuge der Quartierentwicklung hatte das Bistum Osnabrück angeregt, auch den Sakralraum mit in die Überlegungen einzubeziehen. Nach derzeitigem Stand werde die Kirche in der bestehenden Form erhalten bleiben. Im Blick habe man allerdings Modernisierungsmaßnahmen beim Gemeindezentrum.

Für die Quartierentwicklung weichen soll laut Janssen das Pfarrhaus. Der Flachbau neben der Kirche sowie auch das Gebäude an der Ecke Graderweg/Parkplatz würden abgerissen. In der Flucht des alten Wohnhauses werde die Zufahrt zur Kindertagesstätte verbunden mit einem Parkplatz mit 60 Stellplätzen entstehen. Bezüglich der Kita, die auf einem Grundstück geplant ist, das sich in kommunalem Besitz befindet, stehe die Pfarrei in Gesprächen mit der Stadt. Die Einrichtung ist vorgesehen für zwei Regelgruppen mit 50 Plätzen, zwei heilpädagogische Gruppen mit jeweils acht Plätzen sowie zwei Krippen für unter Dreijährige mit zusammen 30 Betreuungsplätzen.

Gebäude als Einfassung

Der Neubau der Wohnassistenz wird sich über den bisherigen Parkplatz der Kirchengemeinde erstrecken. In dem Gebäude sollen als Ersatz für das Pfarrhaus auch Räume für die Kirchengemeinde entstehen. Der Komplex der Wohnassistenz werde sich vom Baukörper her dem „Haus Regenbogen“ anpassen, so Janssen. Dadurch erhalte der neue Platz vor der Kirche eine in Einklang stehende Einfassung. Der Arbeitskreis „Tiergarten“ könne seine Vorstellungen zu dem Projekt auf einer Fläche hinter der Kirche verwirklichen.




Kommentar
Den Weg ohne Hast weitergehen
Von Hermann Hinrichs

Das „soziale Profil“ der Kirchengemeinde St. Josef im Vosseberg in Papenburg muss erhalten bleiben. Diese Forderung stand auf der ersten Gemeindeversammlung im Februar 2017 im Raum, zu der rund 300 Menschen gekommen waren. Der nun vorgestellte erste Entwurf zur „Quartierentwicklung St. Josef“ geht noch einen Schritt weiter: Das soziale Profil der Kirchengemeinde könnte sogar deutlich geschärft werden.

Werden die Planungen in die Tat umgesetzt, würde das bisherige Zentrum der Kirchengemeinde mit dem Gotteshaus, dem Haus Regenbogen, den Gruppen- und Veranstaltungsräumen noch weit mehr Menschen unterschiedlicher Herkünfte zusammenbringen als bisher. Ein inklusiver Kindergarten, eine Wohnassistenz, das Soziale Kaufhaus und selbst der geplante Tiergarten sind zudem Einrichtungen, die täglich Menschen dazu bringen, das Quartier mit der St.-Josef-Kirche im Mittelpunkt aufzusuchen. Daraus kann im besten Fall auch Begegnung entstehen. Ebendie wäre es, die das „soziale Profil“ der Kirchengemeinde dann ein gutes Stück weit sogar stärken würde.

Wird das Konzept Wirklichkeit, liegt es vor allem an den Menschen, das „Quartier“ zu einer lebendigen Einheit werden zu lassen, in der es zwischen den Einrichtungen Berührungspunkte gibt. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Es lohnt sich, ihn im Sinne des bestmöglichen Ergebnisses weiter ohne Hast zu gehen. Die Perspektive für St. Josef ist vielversprechend.