Ems-Zeitung

Ausgabe vom 05.01.2018
Seite 13
Ressort Lokales

Planungen für Einbau des Instruments in Papenburger St.-Antonius-Kirche schreiten voran

Während die Walcker-Orgel noch am Niederrhein in Hunderten Kisten aufbewahrt wird, schreiten in Papenburg die Planungen für den Aufbau des Instrumentes voran. Für eine neue Verkleidung soll ein Architektenwettbewerb durchgeführt werden.

Papenburg. Wie Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer von der Pfarrei St. Antonius im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt, habe eine eigens gegründete Kommission bereits entschieden, dass die Walcker-Orgel auf dem Orgelboden deutlich weiter vorne stehen wird als die jetzige. Ein Modell der Anordnung ist ebenfalls entstanden. Auf dem sind die Teile der Orgel bereits so angeordnet, wie sie im Jahr 2019 dann in die Tat umgesetzt werden sollen.

Die Verkleidungen der Orgel müssen erneuert werden. Das riesige Instrument von 1927 mit seinen 6850 Pfeifen und 98 Registern soll sich nach Fertigstellung in die Kirche optisch einfügen. Um diese Verkleidung dreht sich der Architektenwettbewerb. Wie Lanvermeyer berichtet, werden vier Büros noch im Januar die Pläne vorgestellt. Diese haben bis März Zeit, ihre Vorschläge abzugeben. Dann werde sehr bald ein Gewinner auserkoren, um möglichst schnell in die Detailplanungen einzusteigen.

Denn die Orgel wird laut Lanvermeyer nicht nur auf dem Orgelboden installiert. Auf dem Chorboden im Seitenschiff soll eine zweite Orgel, ein sogenanntes Fernwerk, installiert werden. Diese kleine Orgel mit zwölf Registern soll dann für eine zusätzliche Beschallung von der Seite sorgen. Von dort aus könne aber auch die große Orgel bedient werden, so der Pfarrer.

Der Einbau der kleinen Chororgel soll bis Ende November 2018 abgeschlossen sein. Zudem soll, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten, ein Aufzug zum Chorboden eingebaut werden. Nachdem das Fernwerk installiert ist, soll mit der Demontage der jetzigen Orgel und danach mit dem Einbau der Walcker-Orgel begonnen werden. Aufgrund der jetzt feststehenden Anordnung des 90 Jahren alten Instruments müsse der Orgelboden vergrößert werden. Diese Arbeiten, bei denen viel Staub und Schmutz anfalle, müssten vor der Installation der „Wunderorgel“ abgeschlossen sein. Deren Aufbau schätzt Lanvermeyer auf zwei Monate, danach würden für die Intonation der Pfeifen und Register noch einmal drei Monate benötigt. Die Kosten betrügen – wie bislang angenommen – eine Million Euro. Eine gute Nachricht in Sachen Finanzierung hat Lanvermeyer auch noch. Zu den 200 000 Euro vom Bistum und 100 000 Euro vom Bund habe nun auch die Klosterkammer Hannover dem Projekt 50 000 Euro zugesagt. Weitere öffentliche Förderungen seien beantragt, so der Pfarrer.

Denn schließlich sei die Orgel nicht nur für die Gottesdienste gedacht, sondern auch für Konzerte. Man schaffe so einen neuen Kulturort. Eine Anfrage eines italienischen Organisten für die Walcker-Orgel habe er schon jetzt erhalten, so Pfarrer Lanvermeyer.

Auch der Regionalkantor und Papenburger Organist Ralf Stiewe freut sich auf das neue Instrument. „Die derzeitige Orgel ist deutlich mit der Größe der Kirche überfordert“, so Stiewe. Sie sei zudem ursprünglich als Übergangslösung angeschafft worden. Die Freude auf das neue Instrument ist ihm anzumerken: „Mit den 98 Registern der Walcker-Orgel ist eine unermessbare Fülle an Klangfarben möglich“, so Stiewe. Mit dem Instrument sei damals der Bau der romantischen Orgeln „auf die Spitze getrieben worden“, so der Organist. Eine vergleichbare Orgel gebe es erst wieder in Bremen oder Schwerin, sodass in Zukunft viele Orgelliebhaber in Papenburg zu erwarten seien. „Die Orgelwelt freut sich“, so Stiewe.

Die derzeitige Orgel, die aus den 1950er-Jahren stammt und seit 1974 in der Antonius-Kirche gespielt wird, so teilt es Lanvermeyer mit, steht zum Verkauf. Interessierte können sie für 34 000 Euro unter www.ladach.de kaufen. Der Termin für die feierliche Einweihung der Orgel steht laut Lanvermeyer auch schon fest. Am 15. Dezember 2019 wird Bischof Franz-Josef Bode zur Messe um 11 Uhr erwartet. Auch Martin Sander, Professor für Orgel an den Hochschulen für Musik in Detmold und Basel und Mitglied in der Orgel-Kommission, wird dann anwesend sein.

Der Stadtrat von Gelsenkirchen, in deren Besitz sich die „Königin unter den Orgeln“ befindet, hatte im Mai 2017 beschlossen, das Instrument für einen symbolischen Preis von einem Euro an die Kirchengemeinde St. Antonius Papenburg zu vergeben. Ein Wiederaufbau in Gelsenkirchen war räumlich nicht mehr möglich. Denn das alte Hans-Sachs-Haus, in dem die Walcker-Orgel seit Anfang der 1950er-Jahre in einem Konzertsaal aufgebaut war, wurde weitgehend abgerissen. Seitdem ist die Orgel bei der Orgelbaufirma Seifert in Kevelaer am Niederrhein eingelagert.