Ems-Zeitung

Ausgabe vom 18.07.2017
Seite 15
Ressort Lokales

Künftiges Aushängeschild von Papenburg am Niederrhein eingelagert – Konstrukteur arbeitet an Aufbauplan

Spätestens 2020 wird die berühmte Walcker-Orgel das neue touristische und kirchliche Aushängeschild der Stadt Papenburg sein. Derzeit ist die Riesenorgel in einem Depot in der Wallfahrtstadt Kevelaer eingelagert. Ein Ortsbesuch.

Kevelaer/Papenburg. Eine knarzige Holztreppe führt in das Obergeschoss des Altbaus der Orgelbaufirma Romanus Seifert am Rande der Wallfahrtstadt Kevelaer unweit der Bundesstraße 9. Die Luft ist warm und schwül, das ist sofort zu merken. „Ideale Bedingungen für die Walcker-Orgel“, sagt Roman Seifert. Der 41-Jährige bildet die fünfte Generation der traditionsreichen Orgelbaufirma Romanus Seifert aus Kevelaer. Deren Geschichte reicht bis ins Jahr 1885 zurück, ihren Durchbruch hatte sie durch den Bau der mit 135 Registern größten romantischen Orgel der Welt in der Marienbasilika in Kevelaer.

Ideal sind die schwül-warmen Bedingungen deshalb, weil ein Teil der etwa streichholzschachtelgroßen Taschenladen, also der Ventile für die Luftzufuhr, aus Leder bestehen. „Das Leder mag es nicht zu trocken und warm“, erklärt Roman Seifert. Bei 6850 Pfeifen und 98 Registern gibt es einige davon in dem außergewöhnlichen Instrument. Eine schwere, weiße Kunststoff-Folie schützt die drei Schwellwerke, also die Rahmenkonstruktion, und die Pfeifen, die in diesem eingebaut sind. Auch der große Spieltisch ist in eine Schutzfolie eingewickelt. Die 700 größten Pfeifen sind aus Platzgründen in einem alten Munitionsbunker im Ortsteil Twisteden eingelagert.

Den derzeit wichtigsten Job aller Beteiligten hat Franz Peters. Seit 37 Jahren ist der 55-Jährige als Orgelbau-Konstrukteur für Seifert tätig, wenn er aus seinem gläsernen Büro schaut, blickt er geradewegs auf die eingepackte Walcker-Orgel. Seit etwa acht Wochen tüftelt Peters, ähnlich wie ein Architekt, am Computer an einem Aufbau-Plan. „Die Walcker-Orgel hat für mich derzeit erste Priorität“, sagt der Fachmann. Anzeigen lassen kann er sich am Bildschirm einen Seitenschnitt, eine Draufsicht von oben oder aus dem Kirchenraum. Dazu wurde die Antoniuskirche bereits vor einiger Zeit vermessen. Die Detailplanung wird auch über die Aufbaukosten entscheiden, die mit rund einer Million Euro veranschlagt wurden.

Dass die Riesenorgel nach mehr als zehn Jahren Einlagerung endlich wieder sicht- und hörbar wird und das in einem aus ihrer Sicht bestens geeigneten und repräsentativem Raum wie der Antoniuskirche, halten beide Nieder-rheiner für eine unschätzbar wichtige und richtige Entscheidung. Seifert berichtet, dass neben Papenburg die evangelische Marienkirche in Prenzlau in Brandenburg und das Chorforum in Essen, einer ehemaligen Kirche, die zu einem Veranstaltungs- und Probenraum für Chöre umgebaut worden ist, um die Orgel konkurriert haben. „Letztlich überzeugte Papenburg mit der besten Räumlichkeit“, sagt Seifert. Außerdem seien hierbei eher wenige Baunebentätigkeiten zu erledigen, also Umbauarbeiten in der Kirche, zudem war die Finanzierung der Aufbaukosten gesichert. Und dass die Gemeinde St. Antonius mit Organist Ralf Stiewe einen hauptamtlichen Kirchenmusiker vorweisen kann, der die Orgel auch beherrschen wird, sei ebenfalls kein Nachteil gewesen.

Eher 2020 realistisch

Seifert berichtet, dass seine Werkstatt bis Mitte 2018 mit Aufträgen ausgelastet ist. Und bevor ein Aufbau in Papenburg erfolgen kann, sind einige schreinerische und mechanische Vorarbeiten in der Werkstatt notwendig. Der eigentliche technische Aufbau wird etwa zwei Monate in Anspruch nehmen, für die Intonation der Orgel, also dem (Ab-)Stimmen der Pfeifen und der Register, kalkuliert er mit fünf bis sechs Monaten. Insgesamt rechnet der Experte mit einer Aufbauzeit von 18 Monaten. Realistisch erscheint daher demnach eine Fertigstellung eher im Jahr 2020 als 2019, wie von Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer erhofft.

Eine Bildergalerie und weitere Eindrücke vom Besuch in Kevelaer auf noz.de/papenburg

Orgelbau-Konstrukteur Franz Peters aus Kevelaer plant am Computer derzeit den Aufbau der Walcker-Orgel in der Antoniuskirche Papenburg. Sein Büro grenzt direkt an das Depot, in dem die Riesenorgel derzeit eingelagert ist.

Fotos: Daniel Gonzalez-Tepper/Orgelbau Seifert