Ems-Zeitung

Ausgabe vom 13.07.2017
Seite 15
Ressort Lokales


Expertengremium berät über Umzug in St.-Antonius-Kirche

Ein mit Fachleuten aus ganz Deutschland besetztes Expertengremium hat in der St.-Antonius-Kirche über den Umzug und den Aufbau der Walcker-Orgel in die Papenburger Kirche beraten. Eines der Ergebnisse: Das berühmte Kirchenmusikinstrument wird von zwei Seiten in der Kirche klingen.

Papenburg. Die Fachleute zeigten sich beeindruckt von der Akustik in der Kirche und lobten die Entscheidung, die 1927 erbaute Orgel in Papenburg wieder aufzubauen, in höchsten Tönen. Die Orgel ist mit 6850 Pfeifen und 98 Registern eine der größten jemals in Deutschland gebauten. „Ein toller Raum, ich freue mich schon jetzt sehr auf das Ergebnis“, sagte Martin Sander, Professor für Orgel an den Hochschulen für Musik in Detmold und Basel. Er hatte bereits die in den Jahren 2003 bis 2007 erfolgte Restaurierung der Walcker-Orgel begleitet.

Wie berichtet, hatte der Stadtrat von Gelsenkirchen, in deren Besitz sich die „Königin unter den Orgeln“ befindet, im Mai beschlossen, sie für den symbolischen Preis von 1 Euro nach Papenburg zu vergeben. Insgesamt kalkuliert die Kirchengemeinde mit Kosten in Höhe von rund einer Million Euro.

Zwei wesentliche Entscheidungen hat das Gremium bei der Zusammenkunft getroffen: Zum einen wird ein Teil der Orgel, ein sogenanntes Fernwerk, das etwa zehn Prozent der Pfeifen ausmachen wird, auf einer kleinen Empore links vom Altar aufgebaut. „Dadurch wird eine Beschallung der Kirchenbesucher von zwei Seiten möglich, was eine noch größere Wirkung für den Klang bedeuten wird“, erklärt Martin Dücker, früherer Domkapellmeister in Stuttgart. Außerdem orientiere man sich mit diesem Aufbau an dem Original von 1927, damals war das Fernwerk sogar im Dach des Konzertsaals angebracht, was bei einer Kirche kaum möglich sei.

Die zweite Entscheidung des Gremiums: Auf der Empore wird die Walcker-Orgel deutlich weiter vorne stehen als die jetzige. Das hat nach Angaben von Martin Tigges, Kirchenmusikdirektor im Bistum Osnabrück, zwei Vorteile: „Der Rundbogen, der sich oberhalb der Empore befindet, würde ein Teil der Töne nach hinten leiten. Deshalb wird die Orgel unter beziehungsweise vor dem Bogen aufgebaut. Außerdem kann sie an dieser Stelle deutlich breiter errichtet werden.“ Für dieses Konzept muss allerdings der Spieltisch weiter in den Kirchenraum rücken. Ob dafür eine Erweiterung der Empore notwendig ist, wird nun ebenso wie die statischen Bedingungen und die Luftzufuhr für das Fernwerk geprüft.

Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer und Experte Martin Dücker verteidigten am Rande des Treffens die Aufbaukosten von geschätzt rund einer Million Euro. „Der Neukauf einer derart großen Kirchenorgel dürfte vier bis fünf Millionen Euro kosten. Und eine Orgel in der jetzigen Größe mit 45 Registern mindestens 1,5 Millionen Euro“, erklärten beide. Eine Orgelbaufirma werde mehrere Monate damit beschäftigt sein, jede der 6850 Pfeifen aufzuhängen, zu stimmen und in Einklang zu bringen.

Im November wird sich das Gremium erneut treffen, diesmal in der Domstadt Köln, also quasi in der Mitte zwischen Karlsruhe/Stuttgart und Papenburg/Osnabrück. Im Idealfall kann der Aufbau im Frühjahr 2018 beginnen, die Inbetriebnahme dann im Jahr 2019.

„Königin unter den Orgeln“ kommt nach Papenburg: noz.de/
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