Ems-Zeitung

Ausgabe vom 19.05.2017
Seite 15
Ressort Lokales

Stadtrat Gelsenkirchen beschließt Verkauf mit großer Mehrheit – Pfarrer Lanvermeyer: Eine besondere Verantwortung

Papenburg. Die historische Walcker-Orgel verlässt Gelsenkirchen und wird in der Papenburger St.-Antonius-Kirche installiert. Der Gelsenkirchener Stadtrat hat dem Verkauf am späten Donnerstagnachmittag bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung mit großer Mehrheit zugestimmt.

Praktisch zeitgleich gab die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann bekannt, dass „die Wiedernutzbarmachung der national bedeutsamen Walcker-Orgel von 1927“ mit 100 000 Euro aus dem Orgelprogramm des Bundes gefördert wird.

Beim Pfarrer von St. Antonius, Franz-Bernhard Lanvermeyer, ist die Freude über das Votum in Gelsenkirchen groß: „Wir freuen uns über den Zuschlag. Es ist eine besondere Verantwortung, ein so bedeutendes Instrument zu übernehmen.“ Pfarrer Lanvermeyer erklärte weiter, dass etwa ab Mitte Juli eine von der Kirchengemeinde gebildete Experten-Kommission ihre Arbeit aufnehmen werde. „Die wird um das Fachliche kümmern.“ Dabei gehe es insbesondere auch um die Anpassung der Konzertsaalorgel an die Akustik des Kirchenraumes. Insgesamt kalkuliert die Kirchengemeinde mit Kosten in Höhe von rund einer Million Euro, bis die 6850 Pfeifen und 92 Register umfassende Orgel schließlich in Papenburg installiert und einsatzbereit ist.

Unterdessen ging der Verkauf der Orgel im Gelsenkirchener Stadtrat nicht ganz geräuschlos vonstatten. Ein Bürger hatte einen Antrag an den Rat gestellt, die Orgel nicht zu veräußern. Während der Ratssitzung erhielt der Orgelliebhaber Redezeit, um seinen Antrag zu begründen. Er nutzte diese Gelegenheit dazu, den Stadträten höchst eindringlich nahezulegen, die „Königin unter den Orgeln“ nicht wegzugeben. Die daraufhin im Stadtrat geführte intensive Diskussion um das Für und Wider mündete aber letztlich in einer klaren Entscheidung pro Verkauf zum symbolischen Preis von einem Euro.

Vor zehn Jahren wurde die Orgel laut Mitteilung der Stadt Gelsenkirchen auf der Basis der Walcker-Originalpläne durch die Orgelbaufirma Seifert (Kevelaer) fachkundig restauriert und der Spieltisch auf den neuesten technischen Stand gebracht. Ein Wiederaufbau in Gelsenkirchen war räumlich nicht mehr möglich.

Die Bundestagsabgeordnete Connemann ist indes ebenfalls froh, dass sich der Einsatz rund um den Kauf des denkmalgeschützten Instruments gelohnt hat. „Der Bund wird fördern. Jetzt kann es weitergehen. Diese Entscheidung ist ein Segen. Ich freue mich für die Kirchengemeinde. Diese Orgel ist etwas ganz Besonderes.“

Riesen-Orgel soll künftig in Papenburger Kirche erklingen: noz.de/ artikel/882853